Zwischenspiel: Triviale Maschinen

Eigentlich wollte ich heute über die Veränderung der Form schreiben, denn darauf scheinen mir die Erörterungen hinauszulaufen. Dennoch muss ich an dieser Stelle einen kurzen Einschub machen, einen Gedanken nämlich, der mir eben beim Lesen des letzten Beitrags in den Sinn kam.
Die Lehrperson gibt Standards vor, wenn „Stoff“ vermittelt werden soll. Im (zunächst) einfachsten Falle handelt es sich um Vokabeln, im Philosophieunterricht wird eine Standardisierung dann aber schon komplizierter (”Was ist wahr?”, “Was ist das gute Leben?”, “Was ist Philosophie?”). Für gewöhnlich setzt der Lehrer eine Interpretation als richtig voraus: Seine eigene (vgl. 3.’ „Ahme mich nach!“). Selbst Relativisten sind davor nicht gefeit, im Gegenteil. Die wie auch immer geartete Haltung des Lehrers wird unter normalen Umständen nicht Gegenstand der Kommunikation. Er erwartet aber “[...] (und die Schüler erwarten, dass er erwartet), dass diese Einstellung übernommen wird.“(1) Und sei es auch nur eine grundsätzlich positive Haltung zum Wissen, Wertschätzung des Wissens.(2)
In diesem Sinne kann dem Schüler richtiges oder falsches Verhalten attestiert werden. Und dieses Verhalten bleibt richtig oder falsch: 2 x 2 = 4. Heute und morgen. Und übermorgen. Der Lehrer stellt Fragen, deren Antworten ihm bekannt sind.(3) Heinz von Foerster, der zwischen trivialen und nicht-trivialen Maschinen unterscheidet, spricht folglich von einer Trivialisierung:
F: „Wann wurde Napoleon geboren?“
A: „1769.“
Richtig! (weil erwartet)
Schüler => Schüler
Aber:
F: „Wann wurde Napoleon geboren?“
A: „Sieben Jahre vor der amerikanischen Unabhängikeitserklärung.“
Falsch! (weil unerwartet)
Schüler => Nicht-Schüler(4)
„Trivialmaschinen sind zuverlässige Maschinen“, schreibt Luhmann.(5) Schwieriger wird die Angelegenheit, wenn der Lehrer auf die Idee kommen sollte, Schüler als nicht-triviale Maschinen zu begreifen und (Selbst-)Reflexion Thema des Unterrichts wird. Oder umfassendere Kompetenzen an die Stelle kanonischer Inhalte treten. Dann kann und sollte der Schüler nämlich nicht berechenbare, zuverlässige Antworten geben…
[Edit: Nun können wir über Formen reden: Hier und hier.]
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- LUHMANN, Niklas. Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt/Main 2002, S. 107. [↩]
- Vgl. ebd. [↩]
- Luhmann merkt zu Recht an, dass so ein Verhalten im Alltag unüblich, sogar eher peinlich sei. Vgl. ebd., S. 78. [↩]
- FOERSTER, Heinz von: Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke, Frankfurt 1993, S. 208. [↩]
- LUHMANN, Niklas. Das Erziehungssystem der Gesellschaft, Frankfurt/Main 2002, S. 77. [↩]




[...] strange loops Postheroische Beobachtungen 2. Ordnung « Zwischenspiel: Triviale Maschinen [...]
[...] von Lehr- und Lehrvorgängen einerseits, mit einer Distanzierung von der oktroyierten Trivialisierung durch Strukturvorgaben andererseits, kann eine Generalisierung erreicht [...]
[...] des Programms aus einen Folgezustand zu antizipieren. Das Konzept erinnert an Heinz von Foersters nicht-triviale Maschinen. Dass Zufälligkeit für Computerprogramme nur schwer marktfähig ist, ist leicht einzusehen. Ihre [...]