Archiv für September, 2008
Die Zeit der Helden ist vorbei
Vorweg: Ich möchte den Vergleich zwischen Management und Lehrtätigkeit nicht überstrapazieren. Das wird schon viel zu häufig getan, wenn von “Wissensmanagern” oder “Selbstevaluation” die Rede ist. Mit nicht absehbaren Folgen für die Systeme von Wissenschaft und Erziehung: Die Konsequenzen des Verfahrens nach marktfundamentalistischer Ideologie brechen soeben über das amerikanische Finanzsystem herein, ein erster Preis für die Absurdität eines absoluten Marktes zeichnet sich am Horizont ab. Derweil basteln die Investmentbanker unter den Erziehungs-wissenschaftlern munter weiter an ihren Reformen; bekommt das bildungspolitische Klima seine eigene Katastrophe? Wie mag das schulische Pendant zu einem Börsencrash aussehen? Angesichts der aktuellen Umstände an den Bildungsinstitutionen möchte ich mich an dieser Stelle von einer allzu verkürzten Interpretation der hier unternommenen Vergleiche distanzieren.(1) Heute erscheint mir das nötig.
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- Zu dem Preis, dass der Zweifel damit gewissermaßen eine Existenz bekommt. Grundsätzlich gilt: “Je ausdrücklicher man die Intention einer Kommunikation mitkommuniziert, desto mehr sind Zweifel angebracht.” (LUHMANN, Soziale Systeme, S. 499) Oder wie meine Freundin sagt: Wer sich verteidigt, klagt sich an. Aber lassen wir das an dieser Stelle. [↩]
Ausblick
Mit dem Zwischenfazit ist nach einem Monat die Ouvertüre zu diesem Blog beendet. Der Problemkreis um Selbstreferenz, Paradoxien und strukturelle Defizite Ist (mit Blick auf das Erziehungssystem) angedeutet. In naher Zukunft werden die Beiträge in eine andere Richtung gehen; natürlich ohne das bisher Gesagte außer Acht zu lassen, im Gegenteil: Paradoxien und seltsame Schleifen werden uns als Grundlage immer begleiten. Nur wird der Blick sich in der nächsten Zeit auf eher praktische Fragen zur Verflüssigung der Paradoxien richten, die zahlreichen Anschluss-möglichkeiten im Résumé lassen erahnen, worüber zu sprechen sein wird.
Und die Moral von der Geschicht’…
Ein schöner Fund: Watzlawick bringt sein Fazit nach Erörterung des Gefangenendilemmas.
Moral: Reine Logik und menschliches Verhalten vertragen sich nicht.(1)
Ganz ähnlich übrigens Fritz B. Simon:
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- WATZLAWICK, Paul. BEAVIN, Janet, JACKSON, Don: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien, Bern, Stuttgart, Toronto (7.Aufl.) 1985, S. 212. [↩]
Wittgenstein sagt…
Und so fragen wir uns nicht, was wir gegen die Paradoxien tun können, sondern was die Paradoxien für uns tun können. An einer schönen Fundstelle(1) führt Paul Watzlawick diese Frage auf Ludwig Wittgenstein zurück:
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- WATZLAWICK, Paul. BEAVIN, Janet, JACKSON, Don: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien, Bern, Stuttgart, Toronto (7.Aufl.) 1985, S. 179. [↩]
Ein Monat “strange loops” – ein erstes Résumé
Heute vor vier Wochen wurde mit “Auf ein Wort: U4-208” der Initialbeitrag zu diesem Blog veröffentlicht. Grund genug, mal zwei Schritte zurück zu treten und die laufenden Beobachtungen zu beobachten. Auch inhaltlich erscheint die Gelegenheit günstig: Der letzte Beitrag endete mit der Möglichkeit zur Atempause. Allerdings schließt sogleich eine ganze Liste von Anschlussmöglichkeiten zum weiteren Lesen und Nachdenken an. Wieso?
Double bind. Oder: Paradoxe Kommunikation, No. 2.
Nachdem der Begriff des Doublebinds kurz vorgestellt worden ist, soll seine Problematik nun noch etwas näher beleuchtet werden. Die Forschergruppe um Gregory Bateson untersuchte Phänomene schizophrener Kommunikation und veröffentlichte ihr Konzept im Jahr 1956 mit dem Aufsatz “Toward a Theory of Schizophrenia”(1).
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- dt.: Vorstudien zu einer Theorie der Schizophrenie, in: BATESON, Gregory: Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und epistemologische Perspektiven, Frankfurt/Main 1981, S. 270 – 301 [↩]
Auf ein Wort: double bind
Eine neue “Auf ein Wort…”-Folge! Heute: double binds…
- Halte dich an Gebot/Verbot X!
- Halte dich an Gebot/Verbot Y!
- X widerspricht Y.
- Es darf weder X noch Y ignoriert werden.
- Die Erwähnung des Widerspruchs (als Beobachtungsebene 2. Ordnung) ist verboten.
Paradoxe Kommunikation. Folge 1.
Paradoxe Kommunikation als Operation ist möglich. Schließlich kann unser Bewusstseins wir ja auch paradoxe Konstruktionen realisieren. Was aber genau macht Kommunikationen paradox? Fragen wir einen Spezialisten in solchen Dingen: Paul Watzlawick.
Pädagogische Paradoxien verflüssigen
Wie bislang festgestellt wurde, hindert die Paradoxie den Erzieher nicht an der Arbeit. Das Vorhandensein von Zwang (z.B. Schulpflicht) entbindet den Lehrer nicht von der pädagogischen Aufgabe, zur Freiheit zu erziehen: Also wo immer möglich der Freiheit den Vorzug vorm Zwang zu geben bzw. Zwang in den Dienst der Freiheit zu stellen.(1) Die Frage, wie dies konkret auszusehen habe, stellt sich dem Lehrer in jeder spezifischen Situation wieder und individuell hinsichtlich des/der jeweiligen SchülerIn: Wie reagiere ich bei Störungen? Arbeitsverweigerung? Aggression?
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- Vgl. AHRENS, Sönke: Die paradoxale Grundstruktur des Sadomasochismus, in: Zeitschrift für Sexualforschung 19 (2006), S. 285f. [↩]
Auf ein Wort: re-entry
Ein neuer Beitrag zur Kategorie “Auf ein Wort…” – heute: re-entry.
x² + 1 = 0 |-1
x² = -1 |:x
x = -1/x
An dieser Stelle wird die Selbstreferenz offensichtlich: x kann nur mit Rückgriff auf x bestimmt werden. Durch Einsetzen von x = 1 erhalten wir folgende Gleichung:
Pädagogik als “strange loop”
Betrachten wir (ein vorerst letztes Mal) die Paradoxie des Epimenides:
“Diese Aussage ist falsch.”
Mit Heinz von Foerster möchte ich den Satz als eine prinzipiell unentscheidbare Frage charakterisieren. Das bedeutet, dass der Beobachter unmöglich entscheiden kann, ob die Aussage wahr oder falsch ist. Die Bedingungen der Aussage sind zugleich die Bedingungen ihrer Negation, der Beobachter beginnt (wie bereits hier beschrieben) zwischen den beiden Polen zu oszillieren und die Fortsetzung der Beobachtung wird unmöglich.(1)
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- Vgl. CORSI, Giancarlo: Paradoxie, in: BARALDI, Claudio, CORSI, Giancarlo, ESPOSITO, Elena: GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, Frankfurt/Main 1997, S. 132. [↩]
Rückbezüglichkeit & Schleifen: Ein erstes Fazit
Mit diesem Beitrag soll der Problemaufriss zunächst beendet werden. Dazu also ebenso kurzes wie vorsichtiges Fazit der bislang laufenden Beobachtungen, bevor in den Folgeartikeln dann ein erster abtastender Brückenschlag zu Erziehung und Pädagogik gewagt werden soll.
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Fröhliches oszillieren
In einem Gespräch mit einem sehr liebenswürdigen Kommilitonen erinnerte mich dieser an unsere Lektüre des Foucaultschen Pendels von Umberto Eco; dieser Roman bildete die Grundlage für mein erstes Referat an der Uni. In einer bemerkenswerten Szene begegnen sich zwei Hauptakteure des Buches, Casaubon und Belbo.(1) Letzterer arbeitet als Lektor für einen Mailänder Verlag, zu dessen Klientel “Weise und Irre” gehören. Zur Identifikation der Irren konstruierte Belbo eine eigene Typologie, anhand derer vier Grundtypen unterschieden werden können: Die Idioten, die Dämlichen, die Dummen und die Irren. Jeder Mensch gehöre zu mindestens einer dieser Kategorien und “normal” sei, bei wem sich das Mischungsverhältnis einigermaßen gleichmäßig auf die vier Komponenten verteile. Den Idioten erkenne man sofort, weshalb Belbo ihn für die weitere Erörterung außer Acht lässt.
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- Eco, Umberto: Das Foucaultsche Pendel, München u.a. 1989, S. 76ff. [↩]
Systemtheorie remixed
Eine schöne Visualisierung (Referenz), die Dirk Baecker und die britischen Klangkünstler Autechre zusammenbringt. Letztere steuerten übrigens ihren Track “Kalpol Intro” zum Soundtrack des großartigen Low-Budget-Thrillers “Pi” (1998) bei.
Auswärtsspiel (Vol.1 & 2)
Einen kurzen Hinweis auf eine Kommentarseite in Marks Blog, die ausgehend vom hier zitierten Spiegelartikel zum Luhmann’schen Zettelkasten mit ebenso unterhaltsamen wie lustig mäandernden Anschluss- kommunikationen aufwartet. Die aktuelle Haltestelle heißt Neurowissenschaften. Lesen (aber vielmehr noch: mitschreiben) lohnt sich!




